Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und Irland tragen derzeit eine hohe
Schuldenlast (Fälligkeit
der Staatsanleihen - Page 5 bis 9). Die Defizite dieser Länder könnte die Euro-Zone als
Ganzes gefährden, so die Brüsseler Beamten. Das wäre aber eine
alternative Lösung, denn zu der von ihnen gewünschten Stärkung der
Inlandsnachfrage raten die Beamten nicht etwa zu steigenden Löhnen,
sondern zu niedrigeren Tarifabschlüssen und Sparmaßnahmen. Die
dadurch zwangsläufig entstehende weitere Schwächung der Nachfrage soll dann durch
eine Ausweitung des Wettbewerbs im Dienstleistungsbereich und Steuersenkung wieder neutralisiert werden.
Die Länder hatten vor dem Euro noch die Möglichkeit entstandene
Wettbewerbsnachteile durch Abwertung der eigenen Währung abzufedern
und somit von den Löhnen fern zu halten. In gewissen Maßstäben ein
durchaus legitimes Mittel. Diese Möglichkeit fiel mit dem Euro weg.
Ein hoher Preis, der immer mehr in einer Abwärtsspirale von
Deregulierung und prekärer Beschäftigung endet.
Der IWF schleift die Sozialstaaten Europas: "Der IWF setzt aber auch klare Prioritäten: Vorrang haben
die Interessen der Anleger, also der Kapitaleigner. Die Wirtschaft
muss nur weiterlaufen, um die Kredite möglichst vollständig
zurückzuzahlen. So werden die Sozialstaaten Europas durch
die wohlfeilen Helfer des IWF geschleift. Die IWF-Kriterien ersetzen
die politische Diskussion. Weil es die Regierungen seit dem Ausbruch
der Krise vor zwei Jahren versäumen, die reichlich mit Billionen
ausgestatteten Kapitaleigner und die Finanzindustrie relevant an der
Behebung des Schadens zu beteiligen. Mit dem IWF als
Kontrolleur wird Europa aus der Krise leider nichts lernen." http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2010/05/26/a0073
Unlängst ist selbst das IFW durch sein zweifelhaftes
Demokratieverständnis aufgefallen. So heißt es in dem Artikel (http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:schuldenkrise-regierungen-muessen-wirtschaft-vor-dem-rueckfall-bewahren/50121690.htm), jede Regierung sollte eine Schuldenkommission einsetzen, die der
Regierung sagt, welche Budgetdefizite und -überschüsse notwendig
seien. Diese Kommission sollte auch die letzte Entscheidung über
diese Defizite und Überschüsse haben. ABER: Nicht Kommissionen,
sondern gewählte Parlamente und Regierungen sollten auch weiterhin
entscheiden, was gut für die Menschen ist.
Der Einstieg in den
(Teil)Ausstieg könnte ein Weg sein. Das mag nicht praktikabel sein,
aber sollte zumindest zum Nachdenken anregen.
4,585 Mio. Arbeitslose im April 2010 - aktuelle Statistik für Unterbeschäftigung zählt "alle" Erwerbslosen
In der Unterbeschäftigungsrechnung der BA sind auch die Personen enthalten, die wegen Krankheit, ABM-Stellen usf. sonst eindeutig nicht als arbeitslos gezählt werden. Auch sind sonst keine Erwerbslose enthalten, die von privaten Dienstleistern vermittelt werden sollen. Durch die Statistik zur Unterbeschäftigung wird ein umfassenderes Bild vom Defizit an regulärer Beschäftigung in einer Volkswirtschaft gegeben. Mit 4,585 Mio. Menschen sind das 10.000 mehr als im April 2009.
PDF
Lohnquote
Die Lohnquote ist derzeit so niedrig wie lange nicht mehr. Sie
liegt momentan weit unterhalb der über lange Zeiträume eher
verträglichen Höhe von etwa 72% . Vielen Kräften in Deutschland ist
das aber noch zu hoch. Der ordoliberale* Grundsatz einer Marktwirtschaft
von Ludwig Erhard wurde im heißen Herbst 1948 mit Unruhen in Stuttgart
und dem im November 1948 bundesweit durchgeführten Generalstreik mit
einer Teilnahme von 80% der Bevölkerung begrüßt. Die damals durch das
einzig ordoliberal gesteuerte Handeln verursachten
Einkommensverzerrungen spiegelten sich nach wenigen Monaten bei
einer Lohnquote von 43% wieder. Vor der Einführung Erhards
Marktwirtschaft lag die Quote noch bei stolzen 83%.
*Ordoliberalismus ist eine deutsche Variante des Neoliberalismus.
Oft werden auch Bezeichnungen wie "Ordnungspolitische Linie",
"ordnungspolitisch" usw. im Zusammenhang mit Ludwig Erhard
verwendet. Dies soll unter Umgehung der ansonsten negativ behafteten
Bedeutung einen besseren Eindruck hinterlassen. Ordo- und
neoliberale Lobbyisten bezeichnen sich oft als ideologiefrei.
Lohnquote: Sind die Löhne in Deutschland zu hoch? ISBN 9783895186622
Durch den heißen Herbst 1948 zeigte die Bevölkerung den Unmut über die "freien"
Kräfte der "neuen" Marktwirtschaft. Erst durch diesen Herbst mit den genannten
Vorfällen wurde die Marktwirtschaft nach und nach zu dem, was wir alle einmal
kannten. Zu einer sozialen Marktwirtschaft. Davon ist leider nicht mehr viel
übrig. Deregulierung, Absenkung der Lohnquote, ungesicherte Beschäftigungsverhältnisse.
Lobbyisten mit viel Geld und wenig Lust für eine anständige Bezahlung machen seit
1999/2000 bundesweit Werbung in eigener Sache und wollen zu dem Zeitpunkt zurück,
an dem noch keine sozialen Kräfte im Markt wirkten. Dem gilt es zu entgegnen. Denn
diese Kräfte versprechen nur eines: Mit noch weniger wird es endlich besser! Aber da
waren wir bereits - im Herbst 1948.
Hintergrund
Die Beschäftigungszuwächse von 2003 bis 2008 entfielen
hauptsächlich auf "schlechte" Arbeitsplätze
Abbau normaler Vollzeitarbeitsplätz: minus 900.000
Ein-Euro-Jobs: + 300.000
Mini-Jobs: + 500.000
Verschiedene Formen der (Schein-)Selbständigkeit: +
400.000
Ausweitung der Leiharbeit: + 400.000 auf insgesamt
800.000
sonstige Teilzeitarbeit: + 1.200.000
registrierte Arbeitslose: - 1.100.000
Erwerbslose: - 700.000
Differenzen der Gesamtzahl ergeben sich u.a. auch durch das Abdrängen von nicht Beschäftigten in die
stille Arbeitsmarktreserve.